Musik

Raul Paz Sänger - Komponist

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Wer versucht, sich das Stereotyp eines erfolgreichen kubanischen Musikers vorzustellen, der ausverkaufte Konzerte gibt und tonnenweise Alben in aller Welt verkauft, dem fällt bestimmt alles Mögliche ein, nur nicht ein Typ wie Raúl Paz – ein lockenköpfiger, klassisch geschulter Sänger mit frischem Jungengesicht und leicht hippiemäßiger Ausstrahlung. Und was die Musik angeht, so scheint sogar das allumfassende Etikett Fusion nicht angemessen, um seine ganz spezielle Art von Salsa-Pop-Jazz-Electro-Mischung zu beschreiben – ein Albtraum für jeden Musik-Marketingexperten! Und dennoch hat Raúl Paz weltweite Berühmtheit erlangt, in einem Maße, von dem nur wenige junge kubanische Musiker zu träumen wagen – und clevere Vermarktung hat damit nichts zu tun.

Der Erfolg war eher ein Nebenprodukt, etwas, das passierte, während Raúl Paz unterwegs war, um interessante Musik zu machen und so viele Leute in so vielen Ländern zu unterhalten, wie er nur konnte. "Ich habe acht Alben gemacht, und auf jedem gibt es etwas anderes", sagt er gegenüber Havana Cultura. "Sie gehen von einer Sache zur nächsten. Schritt für Schritt habe ich meinen eigenen Weg eingeschlagen. Das ist mein musikalischer Ansatz. Ich bin eine Mischung aus vielen Dingen, und dasselbe gilt für meine Musik." Die Zeitschrift Elle nannte ihn einmal "den elektrischen Kubaner".

Als Raúl Paz in den 1970er und 80er Jahren in Pinar del Rio aufwuchs, schenkte er den Guajira-Jamsessions und Nueva-Trova-Liedern kaum Interesse. Kubanische Volksmusik war damals nicht sein Ding. Er interessierte sich mehr für Klänge, die nicht aus Kuba kamen, die Songs von Led Zeppelin und Bob Marley, die er gelegentlich im Radio hörte.

Mit 10 Jahren begann er, eigene Songs zu schreiben, und begleitete sie auf einer Gitarre, die ein Nachbar ihm geschenkt hatte. Seine Eltern wollten, dass er die Musik fallen ließ und etwas Nützliches studierte, wie Naturwissenschaften oder Medizin. Aber das klappte nicht, und mit 17 verließ er seine ländliche Heimat und ging nach Havanna.

Er studierte Theater und Musik am Instituto Superior de Arte. Er hörte Jazz und klassische Musik und sang Oper. Er bekam Rollen in Film und Fernsehen. 1990 spielte er in Hello Hemingway unter der Regie von Fernando Perez mit und war im kubanischen Fernsehen zu sehen, "weshalb viele Leute hier mich als Schauspieler kennen", wie er sagt. "Aber ich sah mich als Musiker. Was mir wirklich gefiel, war, auf der Bühne zu stehen und zu singen." Irgendwann sah er sich gezwungen, eine Liste von all den Dingen zu machen, die er nicht werden wollte. "Ich beschloss, dass ich nicht Trovador oder Salsero werden wollte, Konzertpianist, Filmstar oder Fernsehmoderator. Es war also an der Zeit, fortzugehen und nachzudenken."

1996, mit 27 Jahren, verließ Raúl Paz Kuba und lebte in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Uruguay), bevor er schließlich in Paris landete und klassische Musik an der Scola Cantorum studierte. Ausgerechnet in Frankreich begann seine musikalische Karriere ernsthaft. Jeden Dienstagsabend trat er im Folies Pigalle auf, einem ehemaligen Stripteaseclub in Paris. Dann wurde er von dem französischen Musikproduzenten Olivier Lorsac und dem amerikanischen Produzenten Ralph Mercado entdeckt und bekam einen Plattenvertrag. Sein erstes Album Imaginate wurde in Gloria Estefans Studios in Miami aufgenommen und verkaufte sich 100.000 Mal. Seine nächste Platte mit dem Titel Contigo (2000) war ein Marschflugkörper, der auf die Tanzflächen von Ibiza gerichtet war, mit Beiträgen von DJs Arian B.H.T und Ingmar Hänsch – und sie traf ihr Ziel.

En Casa aus dem Jahr 2006 kann als Schließen eines sehr großen Kreises gesehen werden. Nach all den Jahren des Reisens und der "Selbstfindung" war Raúl Paz nach Hause zurückgekehrt. Das Album ist eine prägnante Sammlung akustischer Boleros und kubanischer Balladen, aufgenommen in den legendären EGREM-Studios von Havanna. Textauszug: Nada mejor que volver a casa, volver, volver, duele entender el tiempo y el porque ("Nichts Besseres, als nach Hause zu gehen, zurückzukehren, zurückzukehren; es tut weh, die Zeit und das Warum zu verstehen"). Raúl bezeichnete das Album als Hommage an seinen Vater, der im Jahr 2000 gestorben war, und es ebnete den Weg für seine Rückkehr nach Kuba.

Er hatte davon geträumt, nach Kuba zurückzukehren, seine Musik für ein Publikum zu spielen, das all die kleinen kubanischen Nuancen seiner Texte verstand. "Ich wollte ihre Billigung", erinnert er sich, "ich brauchte sie wie ein Sohn, der hören möchte, dass sein Vater stolz auf ihn ist." Sein Live-Album En Vivo (2007) dokumentiert zwei Shows, eine im Acapulco-Kino in Havanna, die andere in einem kleinen Club in seiner Heimatstadt in Pinar del Rio. "Es war mir wichtig, für mein natürliches Publikum zu spielen, meine Leute, all die Jahre, die Entfernung mit meiner Musik, meinen Texten, meinen Fantasien aufzuwiegen." Er denkt einen Moment nach und sagt dann einfach: "Es war außergewöhnlich."

Im August 2008 zog Raúl Paz endgültig nach Havanna zurück. Heute lebt er in einer Wohnung im Stadtteil Vedado, mit seiner Frau Rachel und ihren beiden Söhnen, die sich "an Reis und Bohnen in einer kubanischen Schule gewöhnen, nach dem Schulessen in Paris". Für 2010, so sagte er Havana Cultura, plant er ein neues Album.

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